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Zeit für einen Eintrag

Nach langer Pause (gefühlte 1000 Jahre) wirds mal wieder Zeit für einen Eintrag. Es gibt auch ordentlich was zu erzählen.

Nach dem ich am Telefon darüber informiert wurde, dass man mich als (zum zukünftigen Zeitpunkt) 23 jähirgen gar nicht mehr bei der Bundeswehr haben wolle, stand ich erstmal aufm Schlauch. Da ich mich nicht weiterbilden würde, würde ich auch keine Halbwaisenrente bekommen, was den Schluss zu lies, dass ich mich leider zu wenig um die nächsten Monate gekümmert hatte und der Bundeswehr zuviel von meinem Vertrauen schenkte. Die einzige Möglichkeit schnell an Geld zu kommen, von dem ich leben sollte, lag also nur noch bei Hartz IV. Da ich aber als Privatversicherter noch nicht in deren Systemen eingetragen war, erwies sich das als ein unangenehm umständlicher Behördengang, dem ich noch immer nicht mit einem Lachen entgegnen kann.

Einer meiner Pflichttermine, die zu einer Antragsstellung gemacht werden müssen, beinhaltete den Besuch bei der Gesellschaft für Arbeitsvermittlung und Qualifizierungsförderung kurz GAQ, wo mich eine Überraschung erwartete. Diese äußerst unfreundliche Person, die mich dort betreuen sollte, das Ganze dann aber für mich zu einer Bestrafung machte, blieb mir als fast schon gehasste Person im Gedächtnis. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl respektiert oder verstanden zu werden. Sicher habe ich meine Fehler begangen, bei dieser Betreuerin hatte ich aber öfter das Gefühl, mit bestimmten Erfahrungswerten aus ihrer Vergangenheit gleichgesetzt zu werden, so dass es mir heute so vorkommt, als sei es fast schon mit Rassismus gleichzusetzen. Sie fing einfach an irgendwelche Dinge zu tun, ohne mir zu sagen, was in ihrem lieblos eingerichteten Büro eigentlich vorgeht. Stellte mir Fragen ohne wirklich erkennbaren Zusammenhang, bis ich mich quer stellte und pampig wurde. Nach einer halben Stunde wurde es mir einfach zu viel. Ich wollte wissen was hier vor sich geht. "Was machen wir denn hier eigentlich?", fragte erbost. "Ich will sie nicht persönlich angreifen und auch nicht pampig werden, aber sie stellen mir hier Fragen, suchen irgendwelche Sachen am PC raus usw. Ich kann ja verstehen wenn sie ihren Job tun, aber immerhin geht es hier um meine Probleme." Dann fing sie an zu erzählen. Es gehe um Fordern und Fördern. Ich würde schon am nächsten Tag einer Beschäftigung nachgehen und das um 8 Uhr. Ich musste versprechen 4 Bewerbungen zu schreiben, dass ich mich sowieso schon auf gut Glück bei Sykes als Call Center Agent beworben hatte war ihr dabei völlig egal. Ebenso wie dass ich mit ihr darüber gesprochen hatte gerne ein Volontariat bei einer Zeitung machen zu wollen, was aber später nicht mehr zählte, da es sich dabei nur um ein Honorar als Entlohnung handle, und ich von der GAQ aus eben versuchen sollte meinen kompletten Lebensunterhalt zu verdienen. Wem das noch unlogisch und unfair vorkommt, der nicke jetzt bitte und stimme mir zu. "Naja, ich komme hier eh nicht mehr raus, also muss ich wohl kooperieren.", war mein nächster Gedanke.

Am nächsten Tag weckten mich die Nine Inch Nails mit ihrem Intro zu "Letting You" unsaft um kurz nach 6. Die Hübsche war auch unheimlich begeistert. Naja was muss das muss. Also fertig gemacht und auf zur Schellingstraße. Die Volkshochschule stellt Maßnahmen bereit. Meine sollte von nun an "Arbeit und Orientierung" heißen. Die Betreuerin war überraschend jung, nett und auch verständnisvoll. Auch wenn das in den Stunden, die ich in der MAßnahme verschwendete nicht wirklich zählte. Ich bekam zwar einige wichtige Hinweise, wie ich meine Bewerbung verbessern und damit erfolgreicher fahren kann, aber in Prinzip ging es nur darum, 6 Stunden vorm Computer zu sitzen und zu spielen.

Meine Mitteilnehmer waren, sagen wir mal, anders. Sie chatteten den ganzen Tag bei Knuddels, zeigten kein Interessen an einer Arbeitsvermittlung. Auch das Praktikum, dass, wie ich dann herausbekam schon in einer Woche sein sollte, war ihnen egal. Sie fingen zu jeder Zeit an die Betreuer zu beleidigen und unsinnige Spielchen mit ihnen zu treiben. Dabei schien es keine Grenzen zu geben, denn die Betreuer sahen keinen Sinn darin die Teilnehmer zu erziehen, sondern nur ihnen zu helfen. Auch ihre augenscheinliche rechte Gesinnung, die sie öfters mit dem passenden Gruß in Anwesenheit eines gebürtigen Libanesen äußerten, war den Betreuern egal. Anfangs dachte ich, ich würde irgendwann explodieren und sie in eine Diskusion verwickeln, für den Scheiss, den die da verbreiteten. Aber dann sah ich, dass sie nicht wirklich rechts waren, jedenfalls nicht in dem Sinne wie sie es praktiziert hatten. Sie sahen alles eher wie ein Spiel, und der Libanese machte mit. Sie waren eigentlich alle Freunde und keiner meinte es ernst. Mir wurde klar, dass die Jungs nicht blöd oder ähnliches waren, sie haben nur einfach keine Grenzen für sich selbst und keine Lust zu arbeiten. Sie hatten, wie alle anderen Menschen auch ihre eigene Welt. Leider würden sie so nie lernen ihr Potenzial zu nutzen. Am 3. Tag schließlich war meine Angst komplett verschwunden.

Als ich am 4. Tag eine Einladung zum Bewerbungsgespräch bekam und zu Sykes kommen sollte, war ich aber dennoch sehr erleichtert. Das Gespräch verlief dann aber eher mäßig, und ich wusste nicht genau, ob ich eingestellt werden würde. Ich besuchte dennoch nicht mehr die Maßnahme, denn wie schon so oft in der Schule, hatte ich einfach keine Lust. Am Montag schon sollte das Praktikum beginnen, und ich hatte keines gefunden. Also blieb ich erstmal weg. Nicht gerade clever von mir, aber ich hatte einfach so die Faxen dick von dem Laden... es sollte sich aber nicht rächen. Am letzten Montag bekam ich schließlich eine telefonische Bestätigung zum Erhalt eines Arbeitsplatzes, damit war die Maßnahme bei der GAQ auch für mich beendet.

So endete meine persönliche Erfahrung zum Thema Hartz IV. Ohne einen wirklich schlimmen Fehler gemacht zu haben, wurde ich behandelt, als würde ich schon seit Jahren ohne Arbeit leben und zu faul sein, mir welche suchen und mit Menschen die tatsächlich so sind, in einen Topf geworfen. Man hat mir nicht mal die Chance gegeben, mich selbst unter Beweis zu stellen. Dennoch würde ich diese Erfahrung eher als Strafe bezeichnen denn als nützliche Maßnahme. Ich wurde genötigt diese Maßnahme zu besuchen und ich musste sogar Versprechen, nicht zu verreisen und gab damit meine Freheit auf, nur damit ich vor fremden Computern vergammeln konnte. Wenigstens weiß ich jetzt wie man Bewerbungen schreibt.

Mal gucken wann der nächste Eintrag kommt.



THE TILL
20.8.08 18:27
 


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